Antigua (Guatemala)

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Antigua ist die alte Kolonialhauptstadt Guatemalas. Sie ist hübsch, lebhaft, berühmt und ziemlich leicht zu erreichen. Das klingt nicht nur nach einer verlockenden Kombination, es ist eine. Wenig überraschend ist die Stadt ein beliebtes Ziel für Touristen und Einheimische gleichermaßen.

Antigua ist nur etwa eine Stunde Busfahrt von Guatemala-Stadt entfernt und doch ist es eine komplett andere Welt. Es gibt keine hässlichen Wolkenkratzer und keinen Verkehr. Die Stadt ist so sauber und wunderschön, wie es der Prospekt verspricht. Heißt das übersetzt, dass mir Antigua gefallen hat? Nein, eigentlich nicht.

Der Grund dafür ist einfach. Meiner eigenen und ganz bescheidenen Meinung nach, ist Antigua eine Touristenfalle allererster Kajüte. Parteiisch wie ich bin würde ich soweit gehen zu sagen, dass die Stadt ihre Seele an den Teufel verkauft hat. Wenn einen das nicht stört, ist Antigua absolut beeindruckend.

Wie gesagt, ich äußere hier meine ganz private Meinung. Vermutlich war mein Hauptproblem mit Antigua, dass meine Erwartungen ziemlich hoch waren. Nach dem, was ich gehört und gelesen hatte, sollte es so ein bisschen wie San Cristobal in Mexiko sein. Letzteres ist einer meiner Lieblingsorte in ganz Mexiko. Ich habe es dort absolut geliebt, und ich behaupte, dass es eine der schönsten Städte überhaupt ist.

Antigua sieht zwar so aus, aber es fehlt das, was ich an San Cristobal am meisten mochte: Wo San Cristobal ein Herz aus Gold hat; schön, lebendig, warm, unterhaltsam und lustig ist, hat Antigua einfach keine Seele. Was mich betrifft, ist Antigua – und es gibt kein besseres Wort dafür – eine Touristenfalle.

Das heißt nicht, dass man nicht dorthin gehen sollte. Ganz im Gegenteil, Antigua ist ein Pflichtstopp, wenn man nach Guatemala besucht. Antigua links liegen zu lassen, ist wie Italien zu besuchen und Venedig auszulassen. Wenn ich so darüber nachdenke, Italien habe ich ziemlich ausgiebig bereist. Ich war sogar mal eine ganze Woche in Triest, was buchstäblich um die Ecke von Venedig liegt. In der Stadt selber war ich trotzdem nie, Königin der Adria hin oder her.

Ihr solltet auf jeden Fall nach Antigua fahren. Ich bin buchstäblich der einzige Mensch, den ich kenne, der die Stadt nicht so gern mochte. Die meisten Leute finden Antigua toll. Und es gibt sicher einen Grund, warum die Stadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde.

Geschichte Antigua (das langweilige Zeug)

Antigua bedeutet wörtlich übersetzt „alt“. Der Name bezieht sich darauf, dass die Stadt die alte Hauptstadt des Landes ist. Dabei gab es sogar noch zwei Vorläufer. Sie war insgesamt also die dritte Hauptstadt Guatemalas. Vorgängerin war Ciudad de Santiago de los Caballeros de Goathemalan. Das ist ein sehr erhaben klingender Name, sicher aber nicht besonders griffig. Zudem wurde sie nicht unbedingt vom Glück verfolgt.  1527 wurde sie an einen neuen Standort im Tal von Almolonga verlegt, aber schon kurz darauf von einer Schlammlawine zerstört. So musste die Hauptstadt erneut verlegt werden. Die Wahl fiel auf das Tal von Panchoy. Dort wurde 1543 also das heutige Antigua gegründet.

Nicht gegen etwas Gottvertrauen bei der Gründung einer Stadt, sie direkt neben einem gewaltigen Vulkan zu gründen, wäre mir persönlich jetzt wahrscheinlich nicht eingefallen. Man muss fairerweise, dass es lange gut ging. Man muss wohl sagen „erst“ 1717 kam es zur Katastrophe. Ein massives Erdbeben legte den größten Teil der Stadt in Schutt und Asche.

Besonders viel gelernt haben die Stadtväter aus dem Unglück nicht, die Stadt wurde an selber Stelle wieder aufgebaut. 1773 wurde Antigua erneut durch eine Reihe von Erdbeben zerstört.

Vermutlich hätte man die Stadt noch einmal an selber Stelle wiederaufgebaut, aber dieses Mal hatten sie die spanische Krone als Patron und die schien deutlich weniger Gottvertrauen zu haben. Sie befahlen, eine neue Hauptstadt an neuer Stelle zu errichten. Die neue Hauptstadt wanderte etwas weiternördlich und zwar an ihren heutigen Standort verlegt. Einen neuen Namen gab es auch: Sie hieß jetzt Nueva Guatemala de la Asunción statt Ciudad de Santiago de los Caballeros de Goathemalan. So richtig eingängig war der Name immer noch nicht, sicher aber eine Verbesserung.

Obwohl Antigua aufgegeben werden sollte, blieben einige Menschen dort. Heute wendet die Regierung viel Zeit, Geld und Mühe auf, um die alte Hauptstadt sorgfältig zu restaurieren. Soweit ich das beurteilen kann, leistet sie tatsächlich gute Arbeit. Sie halten das Gleichgewicht zwischen der Restaurierung des Originals und der Erhaltung der Ruinen, die dem ganzen Ort seinen einzigartigen Charme verleihen.

 

Sehenswürdigkeiten Antigua

La Merced – die Kirche sieht von außen ziemlich hübsch aus, ist aber nichts Besonderes, wenn man hineingeht. Wie die meisten Gebäude in Antigua ist sie in warmen Erdfarben gestrichen; in diesem Fall gelb.

Um dorthin zu gelangen, geht man die Av. 5 hinauf. Die Straße ist selbst für Antiguas Verhältnisse spektakulär. Das auffälligste Merkmal ist ein kleiner Bogen auf halber Strecke. Sonntags gibt es dort manchmal Oldtimer-Shows, so zumindest wurde es mir gesagt. Deshalb ist Antigua sonntags noch mehr los als unter der Woche.

Parque Central – Der zentrale Platz ist malerisch. Der Brunnen dort stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die beste Aussicht hat man vom Cabildo (Stadtpalast) aus. Es ist das Gebäude am nördlichen Ende des Platzes. Sie können in den zweiten Stock gehen und vom Balkon aus den gesamten Parque Central überblicken. Mit dem Vulkan im Hintergrund ist es wirklich eine großartige Aussicht. Links (im Osten) sieht man die Kathedrale und gegenüber den Palacio de los Capitanes Generales. Zu Ihrer Rechten befindet sich eine Art Einkaufspassage.

Convento de las Capuchinas – das alte Kloster ist ein ruhiger Ort und perfekt, um eine Pause zu machen. Wie die meisten Dinge in Antigua kostet die Besichtigung Geld, aber ausnahmsweise würde ich mich tatsächlich dafür entscheiden. Der Eintritt kostete 30 Q.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Convento de Santa Clara, El Carmen und natürlich die Kathedrale. Es gibt unzählige Ruinen, die einen Besuch wert sind. Leider wollen fast alle Eintritt. Dies ist eines der Dinge, die ich an Antigua wirklich nicht mochte.

Trotzdem ist es ein schöner Ort mit einer reichen Geschichte.

Ausbruch des Volcán de Fuego im Jahr 2018

Im Juni 2018 kam es auf Antigua zu einer Reihe von Vulkanausbrüchen am nahe gelegenen Volcán de Fuego. Zwar gab es keine unmittelbare Verbindung zur Stadt, aber für die Gemeinden in der Nähe des Vulkans war es dennoch eine große Katastrophe. Der heftige Ausbruch ließ fast keine Zeit für eine Evakuierung. Nach offiziellen Angaben starben fast 200 Menschen. Nach Schätzungen der örtlichen Gemeinden sind bis zu 2000 Menschen bei dieser Tragödie ums Leben gekommen. Viele hätten mit einem richtigen Warnsystem überleben können.

Die Eruption erzeugte eine 15 Kilometer hohe Aschesäule, die zur Schließung des Internationalen Flughafens La Aurora führte. Gemeinden in der Nähe des Vulkans waren am stärksten betroffen. 3.100 Menschen aus den nahe gelegenen Gebieten mussten evakuiert werden. Die Kombination aus heißer Asche und starkem Regen erwies sich als besonders giftig, da sie so genannte Lahars, vulkanische Schlammströme, erzeugte. Mehrere Dörfer wurden vollständig verschüttet.

Ein weiterer gewaltiger Ausbruch folgte im November desselben Jahres.

Insgesamt waren 1,7 Millionen Menschen von den Eruptionen betroffen. Antigua selbst wurde nicht direkt getroffen. Die Route 14 in Richtung Süden wurde geschlossen, aber alternative Routen blieben offen.

 

Unterkünfte Antigua

La Casa de Don Ismael, 3 Calle Pte 6 ist recht nett. Direkt nebenan gibt es noch eine zweite Unterkunft, die billiger und fast genauso gut ist. Ich kann mich aber nicht an den Namen erinnern.

Die günstigste Absteige der Stadt ist das Wanderers Hostel. Die Adresse lautet 7 Av 50. Da solltet ihr im Voraus buchen. Telefon: 7832-9578

Ein weiterer Ort, den ich empfehlen würde, ist das Gelbe Haus. Es ist in der Calle Pte 24, 1. Straße.

Wer gerade in der Lotterie gewonnen oder ein kleines Vermögen geerbt hat, welches er in die lokale Wirtschaft pumpen möchte, dem würde ich das Casa Santo Domingo empfehlen. Es ist fantastisch! Ich bin dorthin gegangen, um mich einfach nur umzuschauen. Der Ort wurde in den Ruinen eines Klosters aus dem 17. Jahrhundert erbaut. Es ist ziemlich beeindruckend und die haben ihre eigene kleine Ausstellung mit Funden aus der Ausgrabung.

Abhängen Antigua

Der einzige Ort, den ich wirklich empfehlen würde, ist das Fusion – Restaurant und Bar. Der Ort hat eine spektakuläre Umgebung und moderate Preise.

Die beliebteste Tränke der Stadt ist Reilly’s Irish Pub and Bar. Was mir an diesem Ort am meisten missfiel – neben dem Publikum, das er anzieht – sind die Preise. Ich hatte das Gefühl, in einer echten irischen Bar in Dublin zu sitzen.

Das gilt leider für die meisten Orte in Antigua. Was mich betrifft, ist die ganze Stadt eine einzige große Abzocke.

Orte, die ich zumindest erwähnen möchte: Ricki’s Bar und Toreros.


FAKTEN ÜBER ANTIGUA:

  • Antigua ist die alte Kolonialhauptstadt von Guatemala.
  • Sie wurde 1773 durch ein starkes Erdbeben zerstört.
  • Die Stadt wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
  • Etwa 35.000 Menschen leben hier.
  • Die Osterfeier in Antigua gilt als die beeindruckendste in ganz Guatemala.
  • Antigua ist bei Sprachschülern sehr beliebt. Es gibt unzählige Spanischschulen in der Stadt.

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