Berlin Flughäfen

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Berlin hatte früher drei Flughäfen. Das hat sich geändert, allerdings nicht so, wie man denken könnte. Aktuell sind es zwei und dann gibt es noch einen, der vielleicht dieses Jahr öffnet. Diese Hoffnung, also dass er mal fertig wird, haben die Berliner allerdings seit etlichen Jahren.

Immer Prinzip existieren sie alle noch und sei es als Baudenkmäler. Zudem sind sie Zeugen einer bewegten Vergangenheit bzw. einer vielleicht nahen Zukunft. Wir stellen sie also alle vor.

Tempelhof

Tempelhof war ein Klassiker. Er lag buchstäblich mitten in der Stadt. Er war von Wohnblöcken umgeben. Dort zu landen, war ein ziemliches Erlebnis. Der Flughafen war vergleichsweise klein und vor allem bei Geschäftsleuten beliebt. Die mochten es, nach der Landung schon mitten in der Stadt zu sein. Die Leute, die rings um den ehemaligen Flughafen leben, werden die Flugzeuge wahrscheinlich nicht vermissen. Ich fand es zugegeben ziemlich cool, denen bei der Landung durch die Fenster zu schauen. Ist ein Erlebnis.

Tempelhof war einer der ältesten Verkehrsflughäfen in ganz Deutschland. Er wurde 1923 eröffnet. Er lag innerhalb des S-Bahn-Rings, nur vier Kilometer vom eigentlichen Stadtzentrum entfernt. Im Jahr 1930 hatte Tempelhof ein höheres Passagieraufkommen als die Flughäfen in London, Paris und Amsterdam. Da er am Limit arbeitete, beschlossen die Nazis, ihn ein wenig zu erweitern.

Natürlich taten sie das im Nazi-Stil. Der neue Terminal war – zumindest vom Quadratmetermaß her – das größte Gebäude der Welt. Das Pentagon in Arlington hat diese Krone später von Tempelhof übernommen.

Nach dem Krieg nutzten die Amerikaner den Flughafen und benannten ihn in Tempelhof Air Base um. Während der russischen Blockade Berlins wurde Tempelhof für die Versorgung West-Berlins lebenswichtig. Die US-Streitkräfte errichteten das, was als Luftbrücke berühmt wurde. Die Flugzeuge, die die lebenswichtigen Versorgungsgüter lieferten, wurden Rosinenbomber genannt. Es war der Beginn einer langen Freundschaft zwischen den amerikanischen Besatzungstruppen und Nachkriegsdeutschland.

Im Oktober 2008 wurde der Flughafen schließlich geschlossen.


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Flughafen Tegel

Der Flughafen Tegel war während des Kalten Krieges der wichtigste Berliner Flughafen. West-Berlin war eine von der kommunistischen DDR umgebene und abgeschnittene Insel. Tempelhof war in seiner Größe begrenzt und es gab keine Möglichkeit, ihn weiter auszubauen. Tegel wurde zum Flughafen der Wahl und war gegen Ende der viertgrößte Flughafen Deutschlands.

Ursprünglich war das Gebiet ein Stützpunkt für Luftschiffe. Es gab einen riesigen Hangar, der auf das Jahr 1906 zurückgeht. Nach dem Ersten Weltkrieg durfte Deutschland keine Luftwaffe mehr einsetzen und Tegel wurde geschlossen. In den 1930er Jahren experimentierte man hier mit Raketen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebiet verwüstet und sah aus wie die Oberfläche des Mondes. Die alliierten Bomber hatten eine gründliche Arbeit geleistet. Dennoch war es ein idealer Ort für einen Flugplatz. Angesichts der russischen Blockade West-Berlins bauten die französischen Besatzungstruppen in Zusammenarbeit mit den Amerikanern und einheimischen Arbeitern in nur 90 Tagen einen Flugplatz. 6 Wochen nach Beginn der Blockade bauten sie eine 2,5 Kilometer lange Start- und Landebahn, die damals die längste in Europa war. Das erste Flugzeug landete am 5. November 1948.

Alle Terminals und Gebäude waren ziemlich provisorisch, aber es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Bis zum Jahr 1968 waren alle Charterfluggesellschaften von Tempelhof nach Tegel umgezogen.

Mit der Fertigstellung des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg wird der Flughafen Tegel geschlossen. Viele Berliner bedauern den Verlust. Tegel war für die meisten Bewohner sehr schnell zu erreichen und auch das Layout des Flughafens, jedes Gate im Hauptterminal hat seinen eigenen Sicherheitsbereich, ist traumhaft. Lange Security Schlangen gab es da so gut wie nie. Der neue Flughafen liegt dagegen weit außerhalb der Stadt. All die vielen Menschen, die jetzt in der Einflugschneise wohnen, werden den Lärm nicht allzu sehr vermissen.

 

Berlin Schönefeld

Berlin Schönefeld war der Flughafen für Ostberlin. Er liegt 22 Kilometer südlich des Stadtzentrums, also etwas außerhalb der Stadt. Seinen Ursprung liegt im Jahr 1934. Gegründet wurde er allerdings als Flugzeugfabrik. Nach dem Krieg wurde die Fabrik von den russischen Truppen demontiert und zum größten Teil nach Russland gebracht. Die Überreste wurden in die Luft gesprengt.

1946 zog die wichtigste russische Fluggesellschaft Aeroflot dorthin und 1947 wurde der Bau eines zivilen Flughafens angeordnet. Er wurde zum Hauptflughafen für Ostdeutschland. Nach der deutschen Wiedervereinigung gingen die Passagierzahlen zunächst zurück, durch die Schließung von Tempelhof erlebte er aber eine Renaissance. Von dort flogen vor allem Billig Airlines.

Fast noch wichtiger für die Zukunft des Flughafens ist aber, dass gleich nebenan der neue Flughafen gebaut wurde.

Er soll der neue und einzige Berliner Flughafen werden, allerdings wird Schönefeld wohl Bestand haben.

Der neue Flughafen BER ist schon so lange im Bau, dass er vermutlich zu klein sein wird, wenn er denn jemals öffnet.

 

Flughafen BER

Der zukünftige Hauptstadtflughafen BER verfügt über vier Terminals und zwei Start- und Landebahnen (3600 und 4000 Meter Länge). Er wird den Namen Willy-Brandt-Airport tragen. Willy Brandt war ein ehemaliger Bundeskanzler und Bürgermeister von Berlin. Der neue Flughafen würde hier einen eigenen Artikel verdienen, aber für den Moment werde ich mich kurz fassen.

Die Fertigstellung des Willy-Brandt-Airports war ursprünglich für 2011 und dann für Sommer 2012 geplant. Ein paar Mal waren er wohl tatsächlich fast eröffnet worden, allerdings kam jedesmal der TÜV dazwischen. Der letzet Status dazu: BER soll noch im Jahr 2020 öffnen. Ob es diesmal klappt? Man weiß es nicht.

Ich bin ja kein Experte für Flughafenbau, aber auf mich wirkt es so, als wenn die Verantwortlichen entweder genauso wenig Ahnung haben oder aber uns alle auf die Schippe nehmen.

Bisheriges Highlight: Beim letzten Mal wurde die Eröffnung feierlich angekündigt (ein bisschen voreilig), dann aber niemandem gesagt, dass der Flughafen rein technisch noch keine Betriebsgenehmigung hat. Da alle der Ankündigung geglaubt haben, bereiteten sich Geschäfte und Fluggesellschaften auf den Umzug vor.

Wenige Tagen vor Eröffnungstermin wurde ihnen dann gesagt, dass der Flughafen wohl doch nicht eröffnet. Eine Katastrophe. Die Fluggesellschaften mussten das Kerosin, das bereits in riesigen Tanks am neuen Standort gelagert war, per Lkw durch die ganze Stadt transportieren. Wie die Geschäfte vor Ort damit umgegangen sind, kann ich nicht sagen. Es waren buchstäblich alle Beteiligten bereit für den großen Tag, außer dem Flughafen. Und mit der erst in letzter Minute angekündigten Verspätung dürften allein die Bußgelder Millionen kosten. Diese Ankündigung datiert übrigens ins Jahr 2012. Das ist also acht Jahre her. So „dicht“ dran war der Flughafen an der Eröffnung.

Die Verspätung von BER führte schließlich zum Bankrott einer der großen deutschen Fluggesellschaften (Air Berlin), die den Flughafen als ihr Hauptdrehkreuz nutzen wollten.

Das letzte, was ich dazu gehört habe, ist, dass der Flughafen noch in diesem Jahr eröffnet werden soll. Wir werden sehen. Es gibt viele skurrile Geschichten zum BER. So fährt die Bahn den seit Jahren an, weil sonst die Tunnel vermodern. Im Terminal mussten schon jetzt, vor der Eröffnung, alle elektronischen Geräte wie zum Beispiel die Bildschirme ersetzen werden. Sie sind mittlerweile veraltet.

Soviel zur deutschen Effizienz.


FAKTEN ÜBER DIE BERLINER FLUGHÄFEN:

  • Bis vor kurzem hatte Berlin drei Flughäfen.
  • Berlin Tempelhof war der erste Berliner Flughafen
  • Tegel löste Tempelhof in den 1960er Jahren als Hauptflughafen ab.
  • Schönefeld war der wichtigste ostdeutsche Flughafen.
  • Schönefeld ist der Standort für den neuen Flughafen Berlin Brandenburg BER.
  • Der Name des neuen Flughafens (sollte er jemals eröffnet werden) ist Willy Brandt.

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