Tikal (Guatemala)

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Tikal ist nicht nur die größte der Maya-Städte in ganz Amerika, sondern auch die spektakulärste. Sie liegt in der Provinz El Petén etwa 60 Kilometer nördlich von Flores. Das Besondere sind nicht nur die gut erhaltenen oder besser gesagt gut restaurierten Pyramiden; Tikal ist eine Kombination aus monumentalen Gebäuden mitten im Dschungel und atemberaubender Natur.

Neben einigen der schönsten Beispiele der Maya-Architektur gibt es hier eine reichhaltige Tierwelt. Vögel, Affen und mit etwas Glück sieht man hier auch Taranteln und Korallenschlangen (definiere Glück, ich weiß). Das gesamte Gelände ist mit Regenwald überwuchert, etliche der Bauwerke sind noch immer überwuchert, also in etwa so, wie die Archäologen sie bei der Entdeckung der Stätte gefunden haben. Hinter jeder Ecke verbirgt sich etwas Neues und Aufregendes.

Obwohl Archäologen seit Jahrzehnten dort arbeiten, ist nur ein Bruchteil der Gebäude freigelegt worden. Die meisten der einst im Dschungel versunkenen, von Menschenhand erschaffenen Strukturen, erkennt man kaum als solche. 

Meinem Führer zufolge – und er war ein Nachfahre der Maya – bezieht sich der Name eigentlich darauf, dass das Gebiet ziemlich schlammig ist. Die Etymologie ist nicht ganz klar, aber es wird weithin angenommen, dass sich der Name vom Maya Wort Ti-akal – „Am Stausee“ ableitet. Es ist fraglich, dass dies der ursprüngliche Name ist. Inschriften verweisen auf den Ort als Yax Mutal. Es ist durchaus möglich, dass der Name sich nur auf die zentralen Teile der Stadt bezog. Das Königreich selbst hieß Mutal, es würde also Sinn machen.

Große Tour von Flores nach Tikal: Du wirst am Flughafen oder in Ihrem Hotel in Flores abgeholt. Die Tagestour dauert 8 Stunden und Du siehst viel: Weitere Informationen und Buchung

Die „städtische“ Entwicklung begann im zweiten Jahrhundert. Seine Blütezeit erlebte Tikal in der frühklassischen Periode 200-600. Der Niedergang begann gegen Ende der spätklassischen Periode (600-900). Es war wohl die Quittung für die langen und aufreibenden Konflikte mit rivalisierenden Königreichen wie Calakmul . Ende des 10. Jahrhunderts wurde der Ort aufgegeben.

Die spektakulärsten Gebäude in Tikal sind die sechs großen Stufenpyramiden. Am berühmtesten ist der Tempel I, der in vielerlei Hinsicht zum Markenzeichen Tikals wurde. Er findet sich auf Buchumschlägen, Postkarten und DVDs. Das ikonische Design des Tempels wurde zum Inbegriff des Maya-Tempel. Er ist ohne jeden Zweifel die schönste jemals gebaute mesoamerikanischen Stufenpyramide. Bekannter ist er unter dem Namen: „Tempel des Großen Jaguars“.

Er wurde nach dem Tod von Hasaw Chan K’awil (Ah Cacau) 682-734 und höchstwahrscheinlich nach seinen Anweisungen gebaut. Das Grab des Herrschers wurde unter dem Schrein entdeckt. Nicht ganz klar ist, ob er tatsächlich als Grabmal und für diesen Zweck gebaut wurde.

Der Herrscher ist auf dem riesigen Dachkamm dargestellt, der den Tempel an der Spitze der Pyramide überragt. Der Tempel hat drei Räume. Dass er als Schrein diente, steht außer Frage. Im Inneren des Schreins fanden Archäologen einen geschnitzten Holzsturz, der Ah Cacau vor einer Jaguar-Schutzgottheit zeigt.

Die Pyramide hat neun Ebenen. Der gesamte Tempel ist 44 Meter hoch. Die neun Stufen haben höchstwahrscheinlich einen mythologischen Bezug, während die Höhe der Stufen normalerweise durch astronomische Anforderungen bestimmt wird. Wie die meisten Pyramiden ist sie sorgfältig ausgerichtet und diente auch als eine Art astronomischer Kalender.

Eine Theorie besagt, dass Tempel II, gleich gegenüber zu Ehren von Hasaws Frau errichtet wurde. Die Überreste eines der geschnitzten Türstürze zeigen eine königliche Figur. Zwar sind keine Inschriften überliefert, aber es liegt nahe, dass es sich um die Königin handelt.

Der Bau des Tempels II begann viel früher als der Bau des Tempels I. Nach allem, was wir wissen, starb Hasaws Frau lange vor ihm im Jahr 703. Vermutet wird, dass Hasaw selbst erst um 734 starb. Das Datum ist nicht überliefert, wir wissen aber, dass sein Sohn folgte ihm in jenem Jahr auf den Thron folgte. Tempel II ist auch als der Mondtempel bekannt.

Der Tempel III wurde um 810 erbaut. Er ist eher ungewöhnlich, vor allem im Vergleich zu den anderen Tempeln. Er ist beeindruckende 60 Meter hoch, hat aber nur zwei Innenräume (statt normalerweise drei). Da er am Ende eines Katun (Einheit im Maya-Kalender = 7200 Tage) erbaut wurde, hätte er Teil eines Zwillingspyramidenkomplexes sein sollen. Aus unbekannten Gründen steht der Tempel allein. Er befindet sich westlich des Großen Platzes und ist mit mit dem Namen Yax Ain II verbunden. Er wird als ein ziemlich schwergewichtiger Mann dargestellt.

Tempel III war der letzte der Pyramidentempel.

Der Tempel IV ist aus mehreren Gründen spektakulär. Mit einer Höhe von 70 Metern ist er nicht nur das höchste Bauwerk der Stadt, sondern auch eines der höchsten in ganz Mesoamerika. Nur „La Danta“ in El Mirador überragt ihn. Der Tempel wurde von Yik’in Chan Kawil, dem Sohn von Ah Cacau, wahrscheinlich um 741 n. Chr. erbaut.

Seine spektakulärste Eigenschaft ist die Aussicht von oben. Man überblickt das gesamte Gebiet und in der Ferne sieht man die Tempel I, II und III, die sich über das Dach des Dschungels erheben. Von dort sieht man auch den Tempel der Inschriften und die Pyramide der verlorenen Welt. Allein schon für diesen Anblick lohnt es sich, nach Tikal zu fahren.

Zu toppen ist die Aussicht eigentlich nur, indem man sie am Abend des 4. Mai zum Sonnenuntergang genießt. Die Spitzen der Pyramiden leuchten dann, als wären sie aus Gold. Der Sonnenuntergang sieht auch an jedem anderen Tag fantastisch aus, aber am 4. Mai ist der Effekt außergewöhnlich. Das ist natürlich kein Zufall. Der Tag markiert den Beginn der Regenzeit. Die Pyramiden wurden absichtlich so gebaut! Leider kann man es kaum genießen. Will man den letzten Bus erreichen, muss man sich zum Sonnenuntergang leider schon auf den Weg machen. Zumindest einen kurzen Blick kann man erhaschen.

 

Eine der beliebtesten Touren in Tikal ist, den Sonnenaufgang vom Tempel IV aus zu beobachten. Mit etwas Glück sieht man die Sonne hinter den Pyramiden aufgehen. Das ist schon ziemlich speziell. 

Um in den Genuss des Sonnenaufgangs zu kommen, muss man allerdings eine organisierte Tour buchen. Die Ausgrabung ist um diese Zeit eigentlich noch geschlossen. Man kommt also nur mit dem Guide rein.

So ganz günstig ist der Trip nicht. Morgens um 3 Uhr in Flores in den Bus steigen, ist normalerweise auch nicht meine Vorstellung von einem Urlaub, aber es lohnt sich. Dabei habe ich den Sonnenaufgang noch nicht einmal gesehen. Als ich da war, hatten wir Nebel. Das war zwar ein kleiner Wermutstropfen, aber bereut habe ich es trotzdem nicht.

Ihr könnt euch das ungefähr so vorstellen. Um 3 geht es los. Man kommt gegen 5.30 Uhr in Tikal an. Wie gesagt, der Park ist da noch zu. Da wir mitten im Dschungel sind, ist es stockdunkel. Helden wie ich vergessen zu allem Überdruss ihre Taschenlampe.

Die Führer geben einem ein paar grundlegende Anweisungen und dann geht es los. Etwa 20 Minuten lang stolpert man durch den dunklen Dschungel. Es ist kühl und feucht. Die Geräusche um einen herum, kann man kaum zuordnen. Wer weiß schon, was für Bestien nachts im Urwald lauern. Von Jaguaren, Spinnen und Schlangen wusste ich. In den Baumwipfel hört man Brüllaffen. Es ist fantastisch!

Schließlich erreicht man den Tempel IV. Natürlich kann man immer noch nichts sehen, aber das erhöht nur die Faszination. Mittlerweile gibt es da immerhin eine Treppe. Über sie gelangt man auf die Aussichtsplattform. Ich bin normalerweise kein Fan von Treppen, aber hier machte ich eine Ausnahme.

Der Führer erzählte uns, dass sie bis vor kurzem noch steile Leitern hatten. Da gab es aber so viele Unfälle, dass man sich dann doch entschloss, eine richtige Treppe anzulegen.

Eine nasse und rutschige Kalksteinpyramide mitten in der Nacht zu erklimmen, mag sich lustig anhören. In der Realität muss man das nicht haben. Die Teile sind schließlich auch ziemlich hoch.

Wenn man schließlich oben ankommt, bemerkt man als erstes, dass es verdammt kalt ist. Zweitens: Man sieht nichts! Das beste, was man in dem Moment macht, ist hinsetzen und Klappe halten.

Man sitzt jetzt ja über dem Dschungeldach. Es ist dunkel wie in einem Bärenpopo, aber das verstärkt die Stimmung nur noch. Unter einem erwacht der Dschungel. Vögel zwitschern, die Affen brüllen und wer weiß, was noch alles fleucht.

Nach einer Weile wird es heller und heller. Dann sieht man plötzlich die Sonne am Horizont aufgehen; die drei Pyramiden im Vordergrund, Nebel, der aus dem Regenwald aufsteigt. Es ist genial. Selbst ohne Sonnenaufgang ist es ein großartiger Moment. Es ist etwas, was man für den Rest seines Lebens mit sich trägt.


Ansicht vom Dschungel auf einige der Pyramiden. Und wen das an Star Wars erinnert; stimmt. Die Szene bei den Ewoks wurde genau von hier geschossen.

 

Die verschiedenen Führer in Tikal haben alle eine Art Spezialgebiet. Meiner war Naturliebhaber. Er erklärte uns natürlich alles über Maya-Kultur und Ruinen am Weg. Ihm war es jedoch ein Anliegen, uns zu zeigen, wie wundervoll die Natur hier ist.

Schlangen und Spinnen hatte ich schon erwähnt oder? Er brachte uns zu einem der geschlossenen Abschnitte der Ausgrabung. Da es ein Sonntag war, wurde dort nicht gearbeitet und wir störten niemanden.

Er hielt an einem Loch im Boden an und erklärte uns, was wir da sahen: Es war ein Spinnennest. Er versuchte, die Tarantel mit einem Grashalm herauszulocken. Mehr als ein sehr behaartes Spinnenbein sahen wir nicht, was mir ehrlich gesagt aber völlig reichte. Er gab uns auch eine Warnung mit. Macht das nicht zu Hause!. So eine Tarantel kann sehr wütend werden und einen anspringen.

Was wir bei der Gelegenheit noch lernten; wenn ihr Stöckchen in Löcher steckt, achtet darauf, dass da ein Spinnennetz drauf ist. Sonst könnte sich dort auch eine Korallenschlange befinden. Löcher im Boden haben für mich seitdem ihre Unschuld verloren.

 

Das wohl Nützlichste, was ich an dem Tag lernte war aber, dass man mit einer kleinen Digitalkamera immer noch erstaunliche gute Bilder von Vögeln in einem Baum machen kann. Der Trick dabei ist, ein Fernglas vor das Objektiv zu halten. Auf die Idee wäre ich im Leben nicht gekommen. Es funktioniert, wenn man so eine kleine billige Digitalkamera hat. Ihr dürft raten, wer mit einer semi-professionellen Kamera mit 300 Millimeter Zoom-Objektiv durch den Dschungel latschte, nur um dann festzustellen, dass irgendwelche Dödel mit ihren Schrottkameras dichter heran zoomen konnten als ich. Ich gebe zu, ich war ein bisschen sauer. Zumal so eine Vollformat Digital Kamera sacke schwer ist und ich sie den ganzen Tag herum schleppen musste. Ich gehe davon aus, dass meine Fotos am Ende besser waren als die der Sonnenhut-Fraktion, geärgert habe ich mich trotzdem.

Papagei in Tikal
Papagei in Tikal

Ich glaube, ich kann hier aufhören. In Tikal gibt es noch mehr zu sehen. Ich habe den Tempel V noch nicht erwähnt, der jetzt vollständig wieder aufgebaut und atemberaubend schön ist. Obwohl die Arbeiten erst vor vier oder fünf Jahren abgeschlossen wurden, ist der ursprünglich glänzende weiße Kalkstein bereits dunkel geworden und sieht einfach perfekt aus.

Verpasst auch nicht Mundo Perdido (Die verlorene Welt), Tempel VI (Der Tempel der Inschriften) und all die anderen coolen Sachen dort. Mein wichtigster Rat ist jedoch: Nehmt euch viel Zeit. Schaut ab und zu mal nach oben. Man sieht den einen oder andern Tukan, bunte Papageien, seltene Falken und jede Menge Affen. Genießt die Schönheit der Natur.

Stufenpyramide im Dschungel von Tikal
Ruine im Dschungel von Tikal

Vermutlich ist Tikal heute schöner, als zu seinen Hochzeiten. Damals gab es keine Bäume, kein Grün, nur 64 Quadratkilometer Steinpflaster und wohl Zehntausende von Tempeln und Gebäuden.

Und sollte ich es noch nicht erwähnt haben: Ich empfehle dringend, dass ihr euch alle Maya Ruinen, die ihr jemals sehen wollt, vor Tikal anseht. Ihr seid danach für alle Zeit verdorben. Selbst eine so großartige Anlage wie Palenque empfand ich als Abstieg im Vergleich.

Wenn ihr in eurem ganzen Leben nur eine einzige archäologische Stätte besuchen wollt, fahrt nach Tikal. Und ich sage dass als jemand, der in einem früheren Leben Archäologe war. Ich habe eine Menge Ausgrabungen gesehen.

 

Große Tour von Flores nach Tikal: Du wirst am Flughafen oder in Ihrem Hotel in Flores abgeholt. Die Tagestour dauert 8 Stunden und Du siehst viel: Weitere Informationen und Buchung


FAKTEN ÜBER TIKAL:

  • Tikal ist eine der beeindruckendsten Maya-Stätten in ganz Amerika.
  • Sie liegt in der Provinz El Petén.
  • Tikal ist ein UNESCO-Weltkulturerbe.
  • Man kann mit dem Bus oder einem Mini-Van dorthin fahren.
  • Tikal ist riesig. Ein Tourguide ist sehr empfehlenswert.
  • Die Stätte ist von 6 Uhr morgens bis 18 Uhr abends geöffnet.
  • Tickets kosten etwa 20 USD.

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