Albanien

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Albanien ist eines der Balkanländer und liegt in Südosteuropa. Ich würde es als einen, wenn nicht sogar als DEN heißesten Geheimtipp in Europa bezeichnen. Es ist wild, mehr oder weniger unverdorben, exotisch, verrückt und immer noch etwa 20 Jahre hinter dem Rest der Welt zurück. Albanien hat zwar einen gewissen Ruf, aber ich fand es recht sicher zu reisen. Es ist nicht immer einfach, von A nach B zu gelangen, aber das ist Teil des Reizes. Es ist auch eines der letzten noch verbliebenen Länder in Europa, das sehr billig zu reisen ist. Wenn man mit einem knappen Budget reist, wird man Albanien LIEBEN.

Albanien hat gemeinsame Grenzen mit Montenegro, dem Kosovo, der Republik Mazedonien und Griechenland. Es hat auch eine schöne Adriaküste. Da es noch nicht zur EU gehört, benötigt man ein Einreisevisum, das man aber problemlos an der Grenze bekommt. Die offizielle Währung ist der albanische Lek (ALL). Der Umtausch in den Euro liegt bei etwa 140 Lek zu 1 Euro.

Ich bin selten begeistert von einem Land, aber bei Albanien war ich es. Es ist wirklich etwas Besonderes und das war es immer. Obwohl rein technisch kommunistisch, hatte Albanien keine wirklichen Verbindungen zum Ostblock. Es war isoliert. Die lokale Version eines Diktators wurde selbst von den Kommunisten des Ostblocks für verrückt gehalten. Um zu veranschaulichen, was ich meine: Als Enver Hoxha an die Macht kam, versprach er seinen Landsleuten, dass nie wieder eine Nation in Albanien einfallen würde. Also befahl er, im ganzen Land Bunker zu bauen. Ich meine, Albanien war zu dieser Zeit nicht nur arm. Es war ein Dritte Welt Land. Die Albaner hatten keine Infrastruktur, keine Straßen, nicht genug zu essen, und dieser Kerl widmet alle verfügbaren Ressourcen dem Bau von Bunkern, falls jemand in das Land einfallen will? Diese Bunker finden Sie buchstäblich überall. Es gibt schätzungsweise 750.000 Bunker in Albanien!

Die Einheimischen sagten mir, dass sie einen jährlichen Bunkerdienst leisten müssten. Sie würden sich etwa einen Monat lang um dieses Ding kümmern. Frauen wurden von der Bunkerpflicht befreit, wenn sie schwanger waren, sonst mussten sie sie auch übernehmen. Musik war verboten, Religion war verboten, eine Flasche Wein pro Jahr wurde von der Regierung bewilligt. Es war nicht der fröhlichste Ort, den ich mir vorstellen kann.

Mir wurde gesagt, dass die Chancen, ins Gefängnis zu kommen, dort ziemlich gut waren. Und wir sprechen nicht über das, was Sie und ich als Verbrechen betrachten. Wie die Einheimischen es ausdrücken: Du willst nicht arbeiten, gehst du ins Gefängnis, Du willst ein Lied singen, beten oder einen Witz machen? Ins Gefängnis. Auch wenn sie ein wenig übertrieben haben, neige ich dazu, das, was sie gesagt haben, zu glauben. Albanien muss ein düsterer Ort zum Leben gewesen sein. Aber die Menschen sind großartig. Freundlich, gastfreundlich und großzügig.

Es gibt viele Stereotypen über Albanien. Obwohl ich im Allgemeinen nicht mit ihnen übereinstimme, gibt es einen Grund für ihre Existenz. Die albanische Mafia gibt es wirklich, und ja, viele albanische Einwanderer in ganz Europa waren in kriminelle Aktivitäten verwickelt oder wurden zumindest dafür verantwortlich gemacht. Das bedeutet nicht, dass alle Albaner Gangster sind. Ganz im Gegenteil. Es könnte gut sein, dass sie einfach nicht ihre Besten exportiert haben. (Der Satz ist ein Zitat von einem Albaner) Die guten und ehrlichen Menschen bleiben vielleicht einfach zu Hause. Das weiß ich natürlich nicht. Was ich sagen kann, ist, dass ich in Albanien nie ein schlechtes Gefühl hatte und nichts verloren ging. Ich habe mich in Albanien absolut sicher gefühlt.

Da wir schon beim Thema sind: Was mir aufgefallen ist, ist, dass schätzungsweise 75% aller im Land gefahrenen Autos Mercedes sind. Viele von ihnen sind uralt, aber das gibt einem zu denken. Wie viele davon sind legale Importe? Sagen wir es mal so: Ich habe nicht viele Mercedes-Händler im Land gesehen. Und als ich die Einheimischen fragte, lachten sie entweder oder zuckten die Achseln.

Eine Geschichte, die sie mir erzählt haben, geht so: Ein albanischer Minister für öffentliche Ordnung fuhr nach Griechenland zu einigen offiziellen Beratungen. Natürlich fuhr er in einem Mercedes. An der Grenze überprüften die Griechen aus Gewohnheit das Auto, und – große Überraschung – das Auto wurde als gestohlen gemeldet. Wie peinlich ist das? Der Minister für öffentliche Ordnung fährt ein gestohlenes Auto? Nur in Albanien.

Die albanische Gesellschaft ist ziemlich machohaft, wurde mir gesagt. Ich bin keine Frau, kann also nicht wirklich beurteilen, ob es problematisch ist. Ich glaube es ehrlich gesagt nicht. Ich hatte während des gesamten Trips zu keiner Sekunde ein schlechtes Gefühl. Ganz im Gegenteil. Trotz der Kommunikationsprobleme fand ich die Einheimischen sehr hilfsbereit. Sie haben vielleicht nicht viel, aber sie machen das Beste daraus.

Es gibt einige ziemlich erstaunliche Strände in Albanien, die völlig unerschlossen sind. Es ist schwierig, dorthin zu gelangen, aber es lohnt sich. In den meisten anderen Mittelmeerländern ist es quasi unmöglich, einen langen Sandstrand ohne ein Hotel auf der Rückseite zu finden. In Albanien ist es genau umgekehrt.

Was die meisten Menschen nicht wissen: Albanien könnte reich sein. Es hat Öl. Mir wurde gesagt, dass das Ölfeld, an dem wir vorbeigefahren sind, das größte Ölfeld auf dem europäischen Festland ist. Man kann es förmlich riechen. Was die Sache sehr albanisch macht, ist, dass a) sie immer noch Benzin dorthin importieren und b) der Weg zum Ölfeld selbst für albanische Verhältnisse grässlich ist. Die Lastwagen fahren etwa 5 Stundenkilometer, weil die Straße mit riesigen Schlaglöchern übersät ist. Als ich dort war, war es trocken. Ich würde es eigentlich gerne sehen, wenn es regnet.

Verkehrsmittel Albanien

Es kann schwierig sein, sich zurechtzufinden. Im Süden wird viel dran gearbeitet, aber die Infrastruktur ist ein Albtraum. Es gibt Busse, aber die Fahrt ist zeitaufwendig. Im Südosten ist das Straßennetz ziemlich gut, aber das war’s auch schon.

Es gibt einen internationalen Flughafen in Tirana, aber ehrlich gesagt würde ich lieber zu Fuß gehen, als meine Chancen bei der albanischen Flugsicherung zu nutzen.

Kleine Anekdote: Wer aus Montenegro kommt, wird vermutlich erst einmal Spaß haben. Der einzige Bus von Ulcinj nach Shkoder fährt um 8 Uhr morgens. Keine Chance den zu kriegen. Aus Prinzip habe ich ein Taxi genommen, statt in Ulcinj zu übernachten. Wir haben schlappe 20 Euro bezahlt, was angesichts der Entfernung fair ist. Der Preis ist für das Auto, nicht pro Person. Man kann sich also zusammentun. So ganz legal ist das Ganze nicht. Der Taxifahrer hat jedenfalls das Taxi Schild abgenommen, als er über die Grenze fuhr. Etwas Bakschisch gab es glaube ich auch. 

Von Shkoder aus gibt es offizielle Busse oder – viel häufiger – halblegale Minivans nach Tirana.


FAKTEN ÜBER ALBANIEN:

  • Albanien ist eines der Balkanländer mit einer Fläche von knapp 3 Millionen km² und einer Bevölkerung von knapp 3 Millionen Menschen.
  • Selbst nach kommunistischen Maßstäben galt der ehemalige albanische Herrscher Enver Hoxha als verrückt.
  • Albanien hat angeblich das größte Ölfeld an Land in Europa, dennoch müssen sie Benzin importieren.
  • Die bei weitem größte Stadt und Hauptstadt ist Tirana.
  • Die offizielle Sprache ist Albanisch.
  • Die internationale Vorwahl lautet: +355.

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