Holocaust-Mahnmal in Berlin

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Zum Gedenken an die Opfer des Holocausts sollte im Herzen der deutschen Hauptstadt ein Mahnmal errichtet werden. Es wurde Geld gesammelt und ein Bereich in der Nähe des Reichstages und des Brandenburger Tors gefunden. Die größte Frage aber blieb. Wie ehrt man die Opfer einer der größten Gräueltaten der Menschheitsgeschichte?

Dass ein Projekt dieser Größenordnung Kontroversen auslöst, ist verständlich. Es ging aber nicht nur um das „Wie gedenken“ wir, sondern leider auch um das „Wem gedenken wir“. Man konnte in der Diskussion leicht den Eindruck gewinnen, es gäbe Opfer erster und zweiter Klasse. Als ob es für die Opfer einen Unterschied machen würde, ob sie getötet wurden, weil sie Juden waren, oder ob sie getötet wurden, weil sie Sinti und Roma waren.


Die öffentliche Diskussion um das Thema war eine Schande. Viele Menschen waren geradezu entsetzt. Am Ende wurde als „Kompromiss“ beschlossen, dass die Gedenkstätte nur an die europäischen Juden erinnern sollte, die während des Holocausts getötet wurden. Dafür wurde ein separates Mahnmal für die Sinti und Roma in Auftrag gegeben. Wirklich nachvollziehbar war diese Entscheidung für viele Menschen nicht. Ich bleibe dabei, es wäre besser gewesen, es als Holocaust Mahnmal für alle Opfer bauen sollen.


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Die Probleme und Diskussionen waren damit nicht beendet. Vor allem Lea Rosh, die das Denkmal zuerst vorgeschlagen hatte und an der Realisierung maßgeblich beteiligt war, hat sich mit diesem Projekt keine neuen Freunde gemacht. Irgendwann wurde ihr vorgeworfen, dass sie sich rücksichtslos und egoistisch verhielt, indem sie Lieferanten ohne Rücksprache entließ, und vor allem ihre Idee, einen im Konzentrationslager Belzec gefundenen Zahn in einer der Stelen zu vergraben, führte schließlich zur Entlassung aus der Projektleitung. Aber wir springen hier vorwärts.

Glücklicherweise wurden die ersten Entwürfe für das Denkmal abgelehnt. Sie waren alle ziemlich langweilig und wären an einem solchen Ort fehl am Platz gewesen. Entgegen aller Widerstände – und ich sage das, weil es sich um ein sensibles Thema handelt und eine konservative Regierung hier eine Entscheidung trifft – haben sie sich für einen Vorschlag von Peter Eisenmann und dem Bildhauer Richard Serra entschieden; beide aus New York.

Sie haben eine ziemlich brillante Lösung für die Frage gefunden, wie man die Toten ehren kann. Peter Eisenmann errichtete insgesamt 2711 leicht geneigte Betonstelen in verschiedenen Größen, die sich über eine Fläche von 19.000 m² verteilen. Sie bilden ein Raster von Wegen, damit die Menschen durch die Gedenkstätte gehen und die verschiedenen Aspekte und Winkel entdecken können. Aufgrund einiger Änderungen des ursprünglichen Entwurfs ist Serra später ausgestiegen, aber er verdient immer noch viel Anerkennung.

Der Vorschlag wurde – und wenn ihr euch das Bild anseht, werdet ihr verstehen warum – durchaus kritisch betrachtet. Der Entwurf war abstrakt und bedurfte einer Erklärung. Es stellte sich jedoch heraus, dass er den einfachen Leuten, den Besuchern, Einheimischen und Touristen, recht gut gefiel. Es mag zunächst merkwürdig aussehen, aber man kommt mit dem Denkmal in Berührung; im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist keine weitere schicke Statue, keine Klagemauer oder ein prätentiöses Museum. Es ist einfach anders.

Ich persönlich denke, dass dies eines der besten Denkmäler seiner Art ist. Es ist nicht fotogen, aber es ist real. Man kann das Monument berühren und es kann einen berühren. Schon allein aus diesem Grund ist es brillant.


FAKTEN ÜBER DAS HOLOCAUST-MAHNMAL:

  • Das Holocaust-Mahnmal liegt mitten im Herzen Berlins neben dem Reichstag und dem Brandenburger Tor.
  • Das Denkmal erinnert an die europäischen Juden, die während des Holocausts getötet wurden.
  • Bei der Planung und Durchführung des Projekts kam es zu zahlreichen Kontroversen. Einige waren der Meinung, dass der siegreiche Vorschlag von Peter Eisenmann und Richard Serra zu abstrakt sei. Noch mehr Menschen waren der Meinung, dass das Mahnmal allen Opfern des Holocaust gewidmet werden sollte, nicht nur den europäischen Juden.
  • Das Holocaust-Mahnmal ist jetzt eine große Attraktion in Berlin, und es stellte sich heraus, dass die meisten Menschen das abstrakte (und inzwischen preisgekrönte) Design mögen.

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